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Stress und Burnout Prävention

Das Burnout-Syndrom ist ein Phänomen unserer Leistungsgesellschaft und kann sowohl infolge der inneren Konflikte einer Person, als auch aufgrund ihrer äußeren Stresssituation entstehen.

Es gibt eine Reihe von unterschiedlichen Maßnahmen, die getroffen werden können, um dem Burnout-Syndrom vorzubeugen.
Diese lassen sich in drei unterschiedliche strategische Gruppen einteilen. Die Maßnahmen der persönlichen Ebene zielen auf Ihren allgemeinen Umgang mit sich selbst und mit Stresssituationen.
Die Methoden der organisationalen Ebene sind an Arbeitgeber und Vorgesetzte gerichtet, denen sie helfen sollen, die Arbeitsbedingungen ihrer Mitarbeiter hinsichtlich der Gefahr des Burnouts zu verbessern.
Die möglichen Maßnahmen der gesellschaftspolitische Ebene weisen darauf hin, welche Veränderungen in der Arbeitswelt herbeigeführt werden müssten, um Burnout zu vermeiden.

Persönliche Ebene: Was können Sie zur Burnout-Prävention unternehmen?

  1. Ändern Sie Ihre Arbeitseinstellung.
    Perfektionismus kommt Ihnen projektbezogen sicherlich vor wie eine Notwendigkeit. Auf lange Sicht wird er Ihnen jedoch schaden, da niemand – auch Sie nicht – der dauerhaften Belastung durch zu hohe Erwartungen an sich selbst standhält. Machen Sie sich bewusst, dass Ihr Selbstwert nicht allein durch Ihre Leistungen bestimmt wird, und dass niemand von Ihnen erwarten darf, sich bedingungslos aufzuopfern. Arbeit ist schließlich nicht alles.
  2. Lernen Sie, „Nein“ zu sagen.
    Sie müssen nicht jedem alles recht machen. Haben Sie den Mut, Aufgaben auch einmal abzulehnen, insbesondere dann, wenn es sich um die Tätigkeiten handelt, für die eigentlich jemand anderes zuständig ist. Schonen Sie lieber Ihre Ressourcen und sagen Sie „Nein“.Sie sind nicht für alles und jeden verantwortlich und können nicht alles kontrollieren.
    Wenn mal ein Projekt scheitert, wenn andere ihren Anteil der Arbeit nicht erledigt haben, ist das zwar ärgerlich, unterliegt aber nicht Ihrer persönlichen Verantwortung.
  3. Entspannen Sie sich gezielt.
    Nehmen Sie sich dafür jeden Tag gezielt mindestens 20 Minuten Zeit, in denen sie etwas tun, das Sie zur Ruhe kommen lässt. Gehen Sie spazieren, gönnen Sie sich ein Bad in der Badewanne oder entspannen Sie zu Ihrer Lieblingsmusik.
    Wir empfehlen Ihnen außerdem, sich eine Entspannungstechnik anzueignen, wie beispielsweise autogenes Training, progressive Muskelentspannung, Yoga, Chi Gong oder Tai Chi.
  4. Bewegen Sie sich regelmäßig!
    Entgegen seiner biologischen Beschaffenheit führt der moderne Mensch heutzutage hauptsächlich sitzende Tätigkeiten aus. Auf Dauer macht dies ohne entsprechenden Ausgleich aber krank und unzufrieden. Bemühen Sie sich also, mehr Bewegung in Ihren Alltag zu integrieren. Gehen Sie öfter zu Fuß, fahren Sie Rad, besuchen Sie Sportkurse oder gehen Sie ins Fitnessstudio. Selbstverständlich können Sie auch zu Hause Sport machen. Hier finden Sie verschiedene Playlists auf Youtube, die Ihnen Anregungen und Mitmachprogramme bieten.Ein Tipp für jene, die den inneren Schweinehund nicht besiegen können: Zwingen Sie sich 6 Wochen lang, ein Programm durchzuhalten, zum Beispiel 5 mal die Woche 20 Minuten Gymnastik. Nach 6 Wochen wird sich zeigen, dass Sie „ohne“ nicht mehr können. Ihr Körper verlangt dann nach der gesunden Bewegung. Generell gilt: Übertreiben Sie es nun nicht mit dem Sport. Auch übertriebener Sport kann Stress verursachen.
  5. Schlafen Sie genug.
    Ausreichend Schlaf ist eine der Voraussetzungen für einen gesunden Menschen. Im Schlaf regeneriert der Körper, und das Gehirn verarbeitet das Erlebte. Versuchen Sie, mindestens 6 Stunden pro Nacht zu schlafen, besser sind 7 bis 9. Um besser schlafen zu können empfiehlt sich vor dem Zubettgehen ein wenig Bewegung und leichte Kost oder ein Tee. Auch Entspannungsrituale können helfen.
  6. Ernähren Sie sich gesund und nehmen Sie sich Zeit fürs Essen.
    Nehmen Sie sich unbedingt regelmäßig Zeit für frisches Essen. Achten Sie darauf, genug Obst und Gemüse zu essen und vermeiden Sie Fertiggerichte und Fastfood. Qualitativ schlechtes Essen mit wenig Inhaltsstoffen wirkt sich sowohl auf den Gesundheitszustand, als auch auf die Laune aus. Setzen Sie sich zum Essen unbedingt hin und genießen Sie es. Stressgeplagte Menschen neigen dazu, ihr Essen nicht genügend zu kauen, was nicht nur Magen- und Darmprobleme verursacht, sondern durch den mangelnden Genuss auch zu Unzufriedenheit führt.
  7. Sorgen Sie für soziale Kontakte!
    Erwiesenermaßen neigen Menschen, die sich vom sozialen Leben zurückgezogen haben, eher zum Burnout und zu Depressionen. Treffen Sie sich wieder regelmäßig mit Freunden. Wenn Sie nur wenig oder keine Freunde haben, kümmern Sie sich darum, Freunde zu gewinnen. Gehen Sie aus oder engagieren Sie sich in einem Verein. Besuchen Sie Veranstaltungen, die auf Ihre Interessen zugeschnitten sind, sodass Sie Menschen kennen lernen, mit denen Sie Gemeinsamkeiten haben.
  8. Nehmen Sie sich Zeit für Ihren Partner!
    Wenn Sie in einer Partnerschaft leben, nehmen Sie sich unbedingt Zeit, um diese zu pflegen. Kommunizieren Sie mit Ihrem Partner über Ihre Probleme, aber nehmen Sie sich auch mindestens einen Abend in der Woche Zeit füreinander, um sie ungestört zu genießen und sich zu erholen.
    Übrigens: Körperkontakt mit anderen Personen beruhigt den Körper und die Seele. Gönnen Sie sich regelmäßige Auszeiten mit ihrem Partner oder gönnen Sie sich regelmäßig Massagen.
  9. Achten Sie generell auf eine gute Work-Life-Balance!
    Nehmen Sie sich nicht nur Zeit für Ihre Arbeit und für Ihre privaten Pflichten, sondern auch Zeit für das Zusammensein mit anderen und Zeit für sich allein.

Organisationale Ebene:
Welche Verbesserungsmöglichkeiten des Arbeitsumfeldes hat ein Arbeitgeber?

  1. Arbeitsbelastung verringern
    Vorgesetzte dürfen nicht erwarten, dass ein Mitarbeiter die Arbeit von zwei Mitarbeitern (z. B. nach Entlassungen) meistern kann. Menschen haben ein bestimmtes Maß an Arbeitsvermögen; den zu überschreiten bewirkt am Ende Krankschreibungen und damit mehr Kosten für die Organisation, als eingespart werden sollte. Vorgesetzte müssen auch akzeptieren, dass Mitarbeiter neben der Arbeit ein Privatleben haben und Zeiten der Ruhe benötigen. Die Erwartung, sie könnten durchgehend arbeiten und auch ständig Überstunden machen, ist falsch.
  2. Häufige Unterbrechungen meiden
    Häufige Unterbrechungen der Arbeit (von Telefonanrufen, von Kollegen usw.) erzeugen Stress. Dem Mitarbeiter muss auch Zeiten zugestanden werden, in denen er ungestört arbeiten kann.
  3. Lärmbelästigung meiden
    Zu hohe Lärmbelästigung ist nachweislich Stress erzeugend. Großraumbüros zum Beispiel sind insofern eine Fehlkonstruktion. In Fabriken sind leise Maschinen veralteten lauten vorzuziehen.
  4. Zu viele Routinearbeiten meiden
    Mitarbeiter benötigen neben der Routine auch herausfordernde Tätigkeiten. Es sollte keine Arbeit geben, die allein aus Routinetätigkeiten besteht, sondern zumindest zu einem kleinen Teil auch aus Herausforderungen.
  5. Mitarbeiter sinnvoll einsetzen
    Vorgesetzte sollten Mitarbeiter nach ihrem Können und Vorlieben einsetzen. Tätigkeit und Können/Vorlieben des Mitarbeiters sollten zusammenpassen.
  6. Einfluss auf Arbeitsbedingungen ermöglichen
    Je weniger ein Mitarbeiter Einfluss darauf hat, wie er arbeitet, desto unzufriedener wird er sein. Er fühlt sich ausgeliefert, fremdbestimmt. Vorgesetzte sollten zum Beispiel möglichst den Weg zum Arbeitsziel nicht vorbestimmen, sondern diesen dem Mitarbeiter überlassen. Flexible Arbeitszeiten sind eine weitere Möglichkeit, den Mitarbeiter mitbestimmen zu lassen.
  7. Ziele und Erfolgskriterien definieren
    Mitarbeiter brauchen transparente Ziele und Erfolgskriterien. Andernfalls fühlen Sie sich wie im luftleeren Raum; Ihre Tätigkeit erscheint sinnlos.
  8. Anerkennung schenken
    Menschen brauchen Anerkennung von außen. Auf Dauer können Sie sich nicht selbst anerkennen. Das sollte in Form von positiver Rückmeldung geschehen, aber auch in Form von einem angemessenen Gehalt.
  9. Mobbing verhindern
    Mobbing kann erwiesenermaßen krankmachen. In der Organisation sollte es selbstverständlich sein, dass Mobbing vorgebeugt wird.

Gesellschaftlichpolitische Ebene:
Wie muss sich die Gesellschaft ändern, um das Burnout-Syndrom zu vermeiden?

  1. Arbeitsmarktsituation verbessern
    Es ist eine gesellschaftspolitische Aufgabe, eine ausgewogene Arbeitsmarktsituation zu schaffen. Eine hohe Arbeitslosigkeit erzeugt bei jenen, die Arbeit haben, Angst vor Arbeitsplatzverlust. Dies lässt Mitarbeiter gemessen an ihrer jeweiligen Ausbildung schlechte und teilweise sogar illegale Arbeitsbedingungen akzeptieren.
  2. Wert von Leistung relativieren
    Wir leben in einer Leistungsgesellschaft, in der das Erbringen von Leistung vor dem Familienleben, dem Sozialen, Emotionalen und Spirituellen steht, sodass die Mitglieder der Gesellschaft gezielt nach Anerkennung aufgrund ihres beruflichen oder finanziellen Erfolges streben, weil sie den Eindruck haben, dass sie nur dann etwas wert seien, wenn sie diesbezüglich etwas vorweisen können. Außerdem führt diese kollektive Denkweise dazu, dass Menschen, deren Stärken in anderen Bereichen liegen, sich allzu stark unter Druck setzen lassen. Es ist die Aufgabe von uns als Gesellschaft, uns von dieser Art von Denkweisen freizumachen. Besonders den Medien kann hierbei eine Schlüsselrolle zukommen.
  3. Burnout Syndrom anerkennen
    Im Vergleich zu anderen psychischen Störungen wird Burnout offiziell nicht als Krankheit, sondern als Zusatzdiagnose gehandelt. Auch innerhalb der Gesellschaft wird die Erkrankung von vielen Menschen nicht ernst genommen und Betroffene werden für ihren Umgang mit Stresssituationen verurteilt. Wissenschaftler und Medien sind also gefordert, sich ernsthaft und kritisch mit dem Thema Burnout auseinanderzusetzen, weiterzuforschen und korrekte Informationen über Burnout zu verbreiten.

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Letzte Aktualisierung am 28. Juni 2017.

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